Kommunikation als Mittel der Abgrenzung

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Kommunikation als Abgrenzung – sollte sie nicht eigentlich verbinden?

Zwei Personen die vonenander abgegrenzt sind

Kennen Sie auch jemanden, der es unter allen Umständen vermeiden möchte, verstanden zu werden? Der fast in jedem Satz ein sogenanntes ‚Fremdwort‘ benutzt, um einerseits als besonders wissend da zu stehen und andererseits seinen Gesprächspartner als nicht wissend hinzustellen.

In diesem Fall wird Kommunikation bewusst als Abgrenzung benutzt. Damit ist nicht die gängige Jugendsprache, auch Lebensalter-Sprache genannt, gemeint. Diese wird zwar auch bewusst eingesetzt, um sich von z.B. der Elterngeneration abzugrenzen, ist für mich aber nachvollziehbar (Szenesprache, Denglisch, Netzjargon etc.). Wobei Denglisch bei Werbetreibenden ja fast schon wieder Mainstream ist – nicht immer zu ihrem Vorteil.

Ein anderes, für mich nachvollziehbares Beispiel sind hochrangige Wissenschaftler in einem fachlich fundiertem Gespräch. Im Sinne des einfachen Sender-Empfänger-Modells, bedienen sie sich des gleichen Zeichenvorrats und verstehen sich. Oft drücken dann ‚Fremdworte‘ bzw. Fachbegriffe einen ganzen Sachverhalt aus, der keiner weiteren Erklärung bedarf.

Aber wie fühlt es sich an, wenn wie oben geschrieben, eine Person abgrenzende Kommunikation ‚benutzt‘, um sich hervorzuheben? Sollte sie nicht mitnehmend, einladend, verbindend und verständlich sein? Was also nützt es mir, wenn ich nicht verstanden werde?

Sehr häufig geschieht das aus einer Unsicherheit heraus und wird fälschlicherweise eingesetzt, um einen guten Eindruck zu hinterlassen, aber das genaue Gegenteil ist der Fall. Es wirkt überzogen, arrogant und abgehoben. Wie also begegne ich einer Person, die sich so verhält?

Das kommt auf den Kontext an. Im Familien- oder Freundeskreis kann ich normalerweise darüber reden, diese Person darauf ansprechen, auch ist die Hemmschwelle eher gering, ihr zu sagen „Ich habe dich nicht verstanden, ich kenne  dieses Wort nicht. Erkläre es mir bitte.“ Der Gesprächspartner merkt dann oft von selbst, dass seine Kommunikation nicht gut funktioniert, und wird i.d.R. versuchen, dies zu ändern.

Mit Vorgesetzten ist das schon schwieriger und das persönliche Verhältnis gibt die Möglichkeiten vor. Auch ist man sich heute in den Chefetagen und im Management meistens darüber im Klaren und vermeidet bewusst unterschiedliche Ebenen. Es werden z.B. Kommunikations-Seminare angeboten, die genau das erreichen und dabei unterstützen sollen und Führungspersonal auf jeder Ebene tut gut daran, diese auch zu nutzen. Es ist für alle von Vorteil, wenn in den Unternehmen die Kommunikation funktioniert.

Kommunikation sollte verbinden und nicht abgrenzen. Versuchen Sie beim nächsten Mal, die Person behutsam anzusprechen, ihr mitzuteilen, dass Sie etwas nicht verstanden haben.

Ich oute mich gern als ’nicht wissend‘ und frage immer nach, so weiß mein Gesprächspartner, ob er verstanden wird, und kann seine Kommunikation überprüfen und verändern.

Bild von Gerd Altmann / PIXELIO

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2 Gedanken zu “Kommunikation als Mittel der Abgrenzung

  1. Ja, das sehe ich ganz genau so. Fachbegriffe (oder Fremdwörter) haben oft einen großen Nutzen, weil sie Sachverhalte oder Dinge, für deren Beschreibung es unzählige andere Wörter brauchen würde, in einem einzigen Ausdruck zusammenfassen. Dieser Nutzen erschließt sich aber nur dem, der auch in der Lage ist, das Wort zu verstehen. So funktioniert Sprache nunmal.
    Ich habe da eher gute Erfahrungen gemacht, zum Beispiel in diesen Blogs. Viele Autoren drücken sich einfach aus, weil im Grund ja jeder weiß, dass Verständnishindernisse nicht gut ankommen und zu vermeiden sind.

  2. Vielen Dank für deine Antwort

    ‚Kommunikation auf Augenhöhe‘ sollte nicht nur Ideal-, sondern Normalfall sein. Ich ‚arbeite‘ stetig daran und es ist nicht immer einfach, aber immer sinnvoll. :)

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