Das dominante Auge

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Das dominante Auge – es kann nur eines geben

Schematische Darstellung einer Testmethode zum herausfinden des dominanten Auges

Das dominante Auge ist ein noch nicht sehr bekanntes bzw. intensiv erforschtes ‚Phänomen‘. Dem entsprechend finden wir auch sehr wenige Informationen darüber. In den meisten Fällen geht es um Sportschützen und das ‚führende Auge‘. Es macht aber aus vielerlei Gründen Sinn, sich über sein eigenes bewusst zu sein. Um das herauszufinden, gibt es drei Testmethoden, die ich vorstellen möchte. Im weiteren Verlauf werde ich auch einige Dinge dazu (was bringt mir das) schreiben.

Testmethode 1: Wir strecken beide Arme aus und machen ein ‚Fenster‘ wie im Bild zu sehen. Wir lassen beide Augen geöffnet und führen dieses Fenster zu unserem Gesicht, bis wir es berühren. Jetzt sollte klar, oder zumindest tendenziell gut erkennbar sein, welches Auge ‚anvisiert‘ wurde, also das dominante ist.

Testmethode 2: Wir haben beide Augen geöffnet und zeigen mit einem Finger auf ein ca. 10 Meter entferntes Objekt. Nun schließen wir unsere Augen abwechselnd und stellen fest, dass der Finger einen unterschiedlichen Abstand zu dem Objekt hat. Das Auge, das den geringsten Abstand (Finger-Objekt) sieht, ist das dominante.

Testmethode 3: Wir machen wie bei Methode 1 das Fenster und betrachten ein fokussiertes Objekt abwechselnd mit dem linken und dem rechten Auge. Wir stellen fest, dass ein Auge den größten sichtbaren Anteil des Objektes in dem Fenster sieht, dies ist das dominante.

Am besten alle Testmethoden anwenden, um ’sicher‘ zu gehen.

Nun gibt es mehrere Interpretationsmöglichkeiten, die ich hier erläutern werde. Einige davon klingen zumindest außergewöhnlich, aber ich habe festgestellt, dass die Kenntnis meines dominanten Auges mir sehr geholfen hat.

Vorab noch einige allgemeine Informationen. Wir unterscheiden zwischen erstens einer Hand/Auge Dominanz. Das heißt, ein Rechtshänder hat eine rechte Augendominanz. Das betrifft ca. 65% der Gesamtbevölkerung. Dann gibt es zweitens eine sogenannte Kreuzdominanz, so wie bei mir, das heißt, rechtshändig mit linkem dominanten Auge. Beide Varianten gibt es auch aus Linkshänder-Sicht. Die Hirnforschung steht bei dieser Thematik noch am Anfang. Es gibt aber Hinweise, dass die Augendominanz mit der Hirnhemisphäre, die vornehmlich die äußeren Eindrücke verarbeitet zusammenhängt (entweder links oder rechts). Grundsätzlich gilt, die linke Gehirnhälfte verarbeitet die Fakten, das Logische und die rechte, die Emotionen, die Kreativität (stark vereinfacht).

Ein Bild um sich dieses zu merken ist z.B. der Gitarrist (Rechtshänder), der mit der rechten Hand den Rhythmus ’schlägt‘ (den Takt) und mit der linken Hand, dass virtuose Soli spielt.

Im Falle des anderen, des nicht dominanten Auges wird gesagt, das es lediglich der räumlichen Orientierung dient, also das wir durch die Tür und nicht gegen den Türrahmen laufe.

Was für Schlüsse können wir daraus ziehen?

Ein Kind mit linksdominantem Auge sitzt in der Schulklasse auf der linken Seite. Das heißt, der Weg von der Tafel zum informationsverarbeitenden Auge ist der weitest mögliche und aus diesem Grund sehr ungünstig. Auch wird gesagt, dass dieses ‚falsch Sitzen‚ eine Lernschwäche auslösen bzw. fördern kann, obwohl sie mit einfachen Mitteln (umsetzen nach rechts) hätte vermieden werden können.

Erkennen können wir die Augendominanz auch bei dem Bearbeiten von Aufgaben. Meine Unterlagen liegen immer auf der linken Seite, ich erfasse sie besser und schneller.

Interessant ist eine Untersuchung von Kindern mit linker Augendominanz. Beim Lesen einer einfachen Aufgabe wie 13+15 wird zuerst 51+31 gesehen, dann ist eine sogenannte Extraleistung erforderlich, um daraus wieder 13+15 zu machen. Sie brauchen also etwas länger, um diese Aufgabe zu lösen. Wenn Kindern ein Richtungspfeil über den Aufgaben gegeben ist (in Leserichtung), werden diese auch auf Anhieb korrekt erkannt! Kein Grund zur Panik liebe Eltern, aus mir ist auch ohne dieses Wissen kein Legastheniker geworden.

Ein weiteres praktisches Beispiel, wenn wir ein Foto machen, sollten wir mit dem dominanten Auge durch den Sucher blicken, weil sonst das Objekt auf dem Bild eine ganz andere Position hat, es ‚verrutscht‘ ist. Wir haben nicht das fotografiert, was wir gesehen haben.

Das Wichtige für meinen Bereich, die Kommunikation, ist die Tatsache, dass ich einem Gesprächspartner, der links von mir steht oder sitzt, besser folgen kann, ich mich wohler fühle, die Kommunikation ist besser. Das bedeutet nicht, dass es anders gar nicht funktioniert, aber mit diesem Wissen, versuche ich mich auch daran zu halten.

Die Forschung wird in naher Zukunft sicherlich noch mehr dazu herausfinden, es macht aber Sinn, im Besonderen auf Kinder mit linker Augendominanz achtzugeben, damit sie nicht unnötig in ihrer Entwicklung eingeschränkt werden.

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