Die Macht der Worte

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Die Macht der Worte – erst denken, dann reden

Zwei Wege - Ihre Entscheidung

Your Choice

„Die Feder ist mächtiger als das Schwert“, so ein klassischer Spruch und bezieht sich auf das geschriebene Wort, doch auch das Gesprochene hat Macht.

Ich möchte hier im Einzelnen auf die ‚Wertigkeit‘ einzelner Worte und deren Inhalt und Aussagekraft eingehen.  Vieles in unserer Sprache hat sich im laufe der Jahre ‚verwässert‚, soll heißen, wir benutzen viele Worte, ohne uns deren Bedeutung und/oder Wirkung wirklich bewusst zu sein.

Ein Beispiel: „Wie war die Party gestern?“ Antwort: „Die Party war nicht schlecht!“.

Umgangssprachlich heißt ’nicht schlecht‘ in der Regel, ok, oder sogar gut, nur wir sagen es nicht! Warum sagen wir nicht das, was wir meinen?

Die Party hat mir gefallen? Sie hätte besser sein können? Sie war langweilig (ich traue mich aber nicht, das zu sagen). Viel Raum für Interpretationen, oder?

Hinweis: Wenn ich klare Sprache benutze, muss ich mir bewusst sein, dass ich streitbar bin, wir Erinnern uns an die drei Ziele der Kommunikation:

Ich möchte Informationen weitergeben. Ich möchte das etwas passiert. Ich möchte das etwas NICHT passiert.

In der Regel sind unsere Mitmenschen klare Sprache nicht gewohnt und sind irritiert über die ‚Offenheit‘ und Aufrichtigkeit. Im Besonderen wenn es darum geht Kritik zu äußern, oder unangenehme Dinge anzusprechen.  

Anderes Beispiel: „Könnte ich mal bitte einen Stift haben?“

Ich möchte einen Stift, ich kann das auch ‚klar‘ formulieren: „Bitte gib mir einen Stift, ich habe meinen vergessen.“

Worte, wie könnte, hätte und würde ‚verwässern‘. Weichmacher wie relativ, ein bisschen, irgendwie und eigentlich auch Füllwörter genannt ebenfalls.

Finde selbst einige Beispiele dazu, oder ‚beobachte‘ in den nächsten Tagen mal bewusst deine Umwelt. Es gibt sehr viele Beispiele für ‚verwässerte‘ Kommunikation. Wir können es anders machen und erzielen eine erstaunliche Wirkung.

Irgendwann heißt NIE!

Ein anderer Ansatz um das zu vertiefen. Nehmen wir uns die erste Antwort von oben noch mal vor: „Die Party war nicht schlecht„. Was hören wir? Die (neutral), Party (Spaß, Freude), war (neutral), soweit so gut, schauen wir uns die beiden nächsten Worte näher an: NICHT und SCHLECHT.

Erstellen wir ein Bewertungssystem (wie empfinde ich das Wort, was verknüpfe ich damit) von -100 (negativste Bewertung) bis +100 (positivste Bewertung) und stufen die Worte anhand dieses Systems ein. Ich gebe das jetzt vor, aber jeder kann das auf einem Zettel, mit jedem Wort seiner Wahl selbst testen.

Ich gebe dem Wort NICHT eine -90, dem Wort SCHLECHT eine -80, Die (neutral) bekommt eine 0, Party gebe ich eine +75 und war  (neutral) auch eine 0. Wir rechnen kurz. Das Ergebnis ist -95!

Machen wir das gleiche mit dem Satz “ Die Party war gut“. Die = 0, Party = +75, war = 0, gut = +85. Das Ergebnis ist +160! Eine Differenz von 255

Das Ziel bei Anwendung dieser Erkenntnisse ist, eine positive Satzbildung zu benutzen, AUCH wenn wir etwas Negatives ausdrücken ‚müssen‚.

Das bringt noch einen zusätzlichen Nutzen! Während wir sprechen, hören wir uns auch selbst, dass heißt, es ergibt sich ein sogenannter ‚Doppeleffekt‘.

Wir stellen uns jetzt vor ein Lokal zu betreten und sagen zu dem Kellner: „Ich möchte gerne ein Wasser.“, er antwortet: „Ja, kein Problem.“ Eigentlich wollte ich nur etwas trinken, nun wird mein Bedürfnis nach Wasser zu einem ‚Problem‘. Die bessere Antwort heißt: „Ja, sehr gerne.“

Das klingt sehr theoretisch und abstrakt, einfach mal ausprobieren, es funktioniert!

Warum und wie funktioniert das?

Unser Gehirn speichert vorwiegend ‚Bilder‘ und arbeitet wie eine mentale Suchmaschine, es sucht Verknüpfungen zu Worten und bewertet sie danach. Diese Verknüpfungen lösen ‚Filme‘  aus, sozusagen ein mentales YouTube und wir haben ‚Kopfkino‘.

Das alles läuft rasend schnell ab, kein Rechner ist so gut wie unser Gehirn.

Wir prüfen in Millisekunden die gefundenen ‚Bilder‘ und die damit verknüpften Emotionen, erstellen anhand dieser eine Emotionsbilanz (negative werden mit positiven Erlebnissen abgeglichen und wir haben am Ende ein Ergebnis).

Ein Beispiel: das Wort NICHT. Welche Erinnerungen haben wir ‚gespeichert‘. Aus der Kindheit z.B. „Das darfst du nicht„, „Mach das nicht„, „Das ist nicht richtig“ etc. Fazit, das Wort NICHT löst negative Emotionen aus.

Anderes Beispiel, ein Kind hat seinen ersten Kontakt mit einem Hund, der Hund bellt, dieses ‚Bild‘ wird gespeichert. Beim nächsten Anblick eines Hundes ist diese erste Erfahrung wieder präsent und das Kind ist zumindest zurückhaltend. Sollte der Hund nicht bellen und Freude zeigen ist diese Emotionsbilanz wieder ausgeglichen usw.

Wir alle funktionieren auf diese Weise und das können wir uns zunutze machen, indem wir bewusst unsere Worte wählen. Effektive Sprache!

Auch hier gilt, es ist eines der vielen Werkzeuge, die wir nutzen können.

Unsere Kommunikation läuft auf mehreren Kanälen (Sehen, Riechen, Schmecken, Hören und Fühlen). Ich kann mir noch so viel Mühe geben und werde ’scheitern‘, wenn mein Gesprächspartner mich sprichwörtlich nicht riechen kann, weil das für mich wohlriechende Deo negative Erinnerungen und Emotionen auslöst.

Bildquelle: Von einem mir namentlich nicht bekannten Greenaction-User.

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