Die Biostruktur-Analyse

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Die Biostruktur-Analyse – unser Gehirn in 3 Sektoren

Schematische Darstellung des menschlichen Gehirns

Image via Wikipedia

In den 1970 und 1980er Jahren hat der amerikanische Hirnforscher Paul D. McLean sich mit evolutionsbiologischen Grundlagen und Wirkungsmechanismen beschäftigt. Dabei entdeckte er, dass unser Gehirn wesentliche Züge aus unterschiedlichen Zeitaltern der Evolution beibehalten hat. Er sprach von einem ‚drei-einiges-Gehirn‚. Dieses Wissen trägt viel zu dem Verständnis der Zusammenhänge zwischen dem Gehirn und unserem Verhalten/Wesen bei. Auch hat er den Begriff „Limbisches System„, das emotionale Gehirn geprägt.

Rolf W. Schirm, beratender Anthropologe hat auf dieser Basis ein Modell entwickelt, dass als Struktogramm bezeichnet wird.

In der Regel wird dieses Modell im Zusammenhang mit ‚Verkaufstraining‘ genannt, es bietet aber weitaus mehr. Es ist ein Werkzeug zur Selbsterkenntnis und sehr hilfreich im Umgang mit unseren Mitmenschen.

An dieser Stelle ist es mir noch wichtig darauf hinzuweisen, dass die Biostruktur-Analyse wertefrei ist. Sie zeigt die individuelle, genetisch veranlagte Grundstruktur eines jeden Menschen auf.

Fangen wir ganz von vorne an. Was passiert, wenn wir einem Menschen zum ersten Mal begegnen? Wir sehen ihn und öffnen eine Schublade, wir bilden uns ein ‚Vorurteil‚. Das machen wir zu einem gewissen Anteil auch unbewusst. Jeder macht es! Sicherlich wird jetzt wer sagen, nein, ich bin vorurteilsfrei, so habe auch ich gedacht, dem ist aber nicht so. Die Struktur-Analyse kann uns helfen, dieses bewusst zu machen und jeden Menschen (auch uns selbst) so zu nehmen, wie er ist, zu respektieren und damit ein besseres Miteinander zu leben.

Zum Modell selbst: Nehmen wir einmal unser Gehirn und im Besonderen das Stammhirn, das Zwischenhirn und das Großhirn, dies sind die drei Bereiche, um die es hier gehen wird. Wir ordnen diesen Anteilen wesentliche Merkmale zu, auf die ich im Laufe dieses Artikels weiter eingehen werde. Daraus ergibt sich dann ein Gesamtbild, mithilfe dessen wir in der Lage sind, aus dem Vorurteil eine sinnvolle Einschätzung zu machen.

Zur Vereinfachung geben wir den drei Anteilen des Gehirns nun drei Farben. Das Stammhirn wird Grün, das Zwischenhirn wird Rot und das Großhirn wird Blau.

Die Komponenten-Merkmale (nach Rolf W. Schirm)

Stammhirn: Das generelle Kennzeichen für das Stammhirn ist das Gefühl. Merkmale sind Vergangenheit, Selbsterhaltung und Instinkte. Zwischenmenschlich steht es für Kontakt, des Weiteren wird ihm das Gespür für Menschen und das Streben nach Nähe zugeschrieben. Die Orientierung in der Zeit ist die Vergangenheit. Das heißt bauen auf Vertrautes, das Vermeiden radikaler Veränderung und das Handeln aus Erfahrung. Bezüglich der Denk- und Arbeitsweise steht das Erspüren im Vordergrund. Intuitives Denken und Fingerspitzengefühl sowie Fantasie sind passende Beschreibungen eines ‚Grün-Typ‚.

Zwischenhirn: Generelles Kennzeichen hier sind die Emotionen. Hier spielen die Gegenwart, die Selbstbehauptung und die spontane Reaktion die Hauptrolle. Im Zwischenmenschlichen steht es für Dominanz. Das Streben nach Überlegenheit, eine natürliche Autorität und die Neigung zu Wettbewerb wird dem Rot-Typ‚ zugeschrieben. Im Falle der Orientierung in der Zeit haben wir hier die Gegenwart. Das Erfassen des Augenblicks, Aktivität und Dynamik und impulsives Handeln. Die Denk- und Arbeitsweise wird bestimmt von ‚etwas begreifen‘, sowie praktisches Denken, das Erkennen des Machbaren und der Neigung zum Improvisieren.

Großhirn: Hier haben wir die Rationalität als generelles Kennzeichen. Weitere Merkmale sind Selbstbewusstsein und logisches Denken. Zum Faktor ‚zwischenmenschlich‚ haben wir hier die Distanz. Die Zurückhaltung, das Streben nach Sicherheitsabstand und eine Tendenz zur Verschlossenheit. Bezüglich der Orientierung in der Zeit steht der ‚Blau-Typ‚ für die Zukunft. Planvolles Handeln, das Bedenken der Konsequenzen und das Streben nach Fortschritt. Bei der Denk- und Arbeitsweise heißt es Hang zur Perfektion, systematisch analytisches Denken und hohes Abstraktionsvermögen.

Wir haben jetzt eine Übersicht über die aus der Biostruktur-Analyse entstehenden Typen. Welcher Typ bist Du? Hast Du dich schon entdeckt? Schon herausgefunden, welcher Anteil am größten ist? Hierzu gibt es einen einfachen Test, den ich an dieser Stelle verständlicherweise nicht anbieten/durchführen kann.

Der nächste Schritt, nachdem wir uns ein Bild von uns selbst gemacht haben, ist es unsere Mitmenschen in den Fokus zu rücken. Hierbei bedarf es äußerst viel Übung um seine ‚Trefferquote‘ hoch zuschrauben. Hier wird es dann richtig spannend, beobachtet eure Mitmenschen, zuerst die, in eurer direkter Umgebung, Familie, Freunde und/oder Arbeitskollegen. Was für ein Anteil könnte der größere sein? Betrachtet das Ganze als ein Spiel, bei dem es weder Gewinner noch Verlierer gibt.

Kommen wir an dieser Stelle zu weiteren Hinweisen, die erkennen lassen, mit welchem ‚Typ‘ wir es zu tun haben. Ich weise noch mal darauf hin, dass dies alles wertefrei ist. Besonders am Anfang kann das nicht oft genug erwähnt werden, da das Einschätzen und Klassifizieren im Allgemeinen negativ behaftet ist. Auch gilt hier wie bei allem, es ist ein Werkzeug, nicht mehr und nicht weniger.

Die Typen

Grün

Der Grün-Typ‚ und seine Kleidung: Sie ist bequem, lässig, gemütlich, unmodisch, individuell bunt, unpassend kombiniert, selbst gemacht, fair, Öko- und auch Partner-Look finden wir.

Schmuck und Accessoires: Natürlich, persönliche Dinge, Erinnerungen, Tücher, bunt, viel, selbst gemacht, älter wie auch Glücksbringer trägt er.

Gruppenverhalten: Dabei, Zusammenhalt, Fürsorge, Nähe, Freundlichkeit und er ist achtsam.

Körpersprache: Offen, auffordernd, verbindend, Nähe, einladend, gemütlich und schwungvoll.

Sprache: laut oder leise, Metaphern, Symbole, „Wir“, viel, locker und Musik in der Stimme.

Konfliktmanagement: Reden, Diskutieren und ausgleichen.

Freizeitverhalten: Mannschaftssport, Verein, Geselligkeit, auch kreativ und künstlerisch.

Wie begegne ich diesem Typ am besten: freundlich, lächelnd, mit Nähe, Ehrlichkeit, Interesse und Atmosphäre.

Rot

Der „Rot-Typ“ und die Kleidung: Trendy, teuer, Prestige, Status, sportlich, elegant, auffällig, Marken, Einzelstücke, exklusiv, individuell und Chic.

Schmuck und Accessoires: Metall, teuer, Marke, auffallend und passend.

Gruppenverhalten: Mittendrin, führend, braucht Aufmerksamkeit, dominant und spontan.

Körpersprache: fordernd, lässig, schneller, Spannung in der Bewegung und „breitbeinig“.

Sprache: Laut, fordernd, bestimmend und knapp.

Konfliktmanagement: Streitbar, Machtkampf, Gewinnen, durchsetzen, eingeschnappt (beleidigte Leberwurst) und leidenschaftlich.

Freizeitverhalten: Wettkampf, Leistungsorientiert und Einzelkämpfer.

Wie begegne ich diesem Typ am besten: Hierarchie beachten, eine Herausforderung stellen, mit Stil, Status anerkennend, mit Argumenten und nicht ducken.

Blau

Der Blau-Typ‚ und seine Kleidung: konservativ, klassisch, praktisch, uniform, schlicht, Qualität, ohne Hingabe gewählt und „graue Maus“.

Schmuck und Accessoires: Wenig bis keinen, zweckmäßig, unauffällig, zurückhaltend und dezent.

Gruppenverhalten: Außen vor, Einzelgänger, berechnend, zurückhaltend, kühl, beobachtend, braucht Abstand und ist höflich.

Körpersprache: Distanz, Denkerpose, konzentriert,  entschieden in der Bewegung und Blick auf den Boden.

Sprache: Wenig bis gar nicht, sachlich, leise und bestimmt.

Konfliktmanagement: Ruhe bewahrend, Rückzug, schweigend, sachlich und verschlossen.

Freizeitverhalten: Einsamkeit, Denken, Basteln und Sammler.

Wie begegne ich diesem Typ am besten: Mit Sachlichkeit, Abstand, Zeit geben, Sicherheit, klare Sprache, Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit und mit Konzentration auf das Wesentliche.

Verhalten und Reaktionen (eigene wie das der anderen) können mit der Hilfe dieses Wissen ‚eingeordnet‘ werden. Auch erleichtert es das Verständnis für Stärken und Grenzen. Ebenso ist es hilfreich anderen gegenüber tolerant zu sein, andere Persönlichkeiten so zu nehmen, wie sie sind. Selbst ein Verhaltenstraining wird die Grundstruktur eines Menschen nicht ändern. Ausnahmen sind Schicksalsschläge wie z.B. schwere Unfälle, die diese Grundfesten erschüttern und eine Veränderung erwirken können. Ich spreche aus Erfahrung.

Jeder von uns trägt alle drei Komponenten in sich, es gibt keinen ‚ganz blauen‘ oder ‚ganz roten‘. In der Regel ist es aber so, dass eine Komponente überwiegt, jemanden in diesem Sinne zu einem ‚Blau-Typ‘ macht. Stellen wir uns hierzu eine Scheibe vor, die in der Ausgangsposition diese drei Farben zu gleichen Anteilen zeigt. Nach dem von mir oben erwähnten Test kann es z.B. so aussehen: Grün = 30%, Rot = 50% und Blau = 20%, das wäre dann ein vorwiegend ‚Blauer‘ mit Grün-Anteil. Mit sehr viel Erfahrung ist es allerdings möglich, diese Anteile ohne den Test mit hoher Wahrscheinlichkeit festzulegen.

So, das war jetzt ganz viel zu lesen, ich werde aber noch einige Fallbeispiele bringen, um das Ganze ‚Bildhafter‘ zu machen und es zu vertiefen.

Nehmen wir an, eine Familie plant eine Reise, glücklicherweise ist eines der Familienmitglieder ein Blau-Typ‚. Er weiß wann welche Verbindung wo und wie zu erreichen ist und dieses meist schon zwei Wochen im Voraus. Stichwort planvolles Handeln. Es dauert sehr lange, bis ein ‚blauer‘ zu einem echten Freund wird, wenn aber, kann man sich kaum einen besseren wünschen. Stichwort Zuverlässigkeit.

Ein ‚roter‚ wird sich kaum für etwas einsetzen, wenn er nicht in irgendeiner Weise davon ‚profitiert‘. Stichwort Gewinner und praktisches Denken. Bei einem sportlichen Vergleich, der verloren gegangen ist, wird er entweder zur ‚beleidigten Leberwurst‘, oder aber eine für ihn nachvollziehbare Entschuldigungen finden. Stichwort impulsives Handeln und Improvisation. Der Albtraum für eine ‚rote‘ Frau ist das Feststellen, dass eine andere auf der Party den z.B. gleichen Rock trägt, sie wird fahren und sich umziehen, oder gar nicht mehr erscheinen.

Nach einem Streit mit einem ‚Grünen‚ wird er sich getroffen fühlen, den Verlust von Nähe betrauern, aber einer Versöhnung immer zugeneigt sein. Stichwort Vertrautheit und Nähe. Folgende Situation, eine Gruppe von Menschen steht im Kreis zusammen, der ‚Grüne‘ wir sich in den Kreis einordnen, der ‚Rote‘ hingegen in die Mitte stellen und ein ‚blauer‘ steht meist etwas abseits.

Zu meiner Person: Bei mir hat der Test ein nahezu ausgewogenes Bild ergeben und entspricht nicht der Regel. Im Bezug auf Wohnen und Ordnung im Allgemeinen bin ich eher Blau. Bei Wettkämpfen fällt es mir schwer, der Verlierer zu sein, also eher Rot und was Nähe und Freundschaft angeht bin ich ’schwer‘ Grün.

Das ist nur ein kleiner Auszug von möglichen Verhaltensweisen und Situationsbeschreibungen. Noch mal der Hinweis: Jeder von uns trägt alle Anteile in sich und diese Biostruktur-Analyse ist wertefrei! Keiner ist besser wie der andere, wegen dieser oder jener Grundstruktur. Respektiere deinen Nächsten!

Ich wünsche an dieser Stelle viel Spaß beim Ausprobieren und lernen!

Bildquelle Wiki by NEUROtiker

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